Herbst 2022: Mehrtages-Wanderung Graubünden
Schon zum vierten Mal in Folge verbrachten wir in diesem Jahr unsere Herbstferien bei einer Mehrtageswanderung in den Schweizer Bergen. Nach dem Abstecher in die Innerschweiz und ins Berner Oberland im vergangenen Jahr, wollten wir in diesem Jahr wieder etwas 'der Nähe nach' und haben uns für eine Tour durch den Kanton Graubünden entschieden. Es gab einige Wanderungen und Orte die ich schon länger im Hinterkopf hatte und die ich unbedingt in diese Tour integrieren wollte - zum Beispiel die Wanderungen über den Tomül- und über den Septimerpass oder ganz generell das Engadin sowie die Alp Flix.
Mit all diesen Orten im Hinterkopf kam ich mit der Planung für einmal recht flott voran, da ich mehr oder weniger die ganzen Orte nur noch möglichst sinnvoll miteinander verbinden musste. Zum ersten Mal hatte ich in diesem Jahr auch einen offiziellen Ruhetag mit eingeplant (man wird halt älter...😜) - und so ergab sich zusammen mit den An- und Abreisetagen, an denen wir ebenfalls noch kurze Wanderungen unternahmen, ein 2-wöchiges Wanderabenteuer der Extraklasse... zur Nachahmung wärmstens empfohlen 😊
1. Tag: Zerfreila - Gadastatt (Vals)
Als Startort für die diesjährige Tour hatte ich mich recht schnell für Vals entschieden. Vals ist zum einen gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, zudem hatten wir die Wanderung über den Tomülpass ins Safiental schon länger im Auge und zu guter Letzt ist es in Vals einfach schön... genug der Gründe also.
Wir hatten uns für den Anreisetag keine lange Wanderung vorgenommen, da die nächsten Tage noch streng genug werden würden - lockeres Einlaufen also... wir sind deshalb direkt mit dem Postauto bis nach Zerfreila gefahren und haben uns dort im Restaurant Zerfreila zur Stärkung nach der langen Anreise zuerst mal einen feinen Burger gegönnt. Für den berühmten Blaubeerkuchen war dann leider kein Platz mehr - den probieren wir beim nächsten Besuch, versprochen!
Was wir durch die Fahrt mit dem Postauto verpasst haben, ist übrigens eine wirklich empfehlenswerte Wanderung auf dem alten Säumerpfad durch eine wildromantische Waldlandschaft. Am Anfang der Wanderung (direkt beim grossen Parkplatz der Gadastatt-Gondelbahn) findet man eine Broschüre über den alten Zerfreilaweg, in welchem die vielen historischen Orts- und Flurnamen entlang des Weges beschrieben sind. So fühlt man sich tatsächlich ein bisschen wie ein Säumer aus längst vergangener Zeit...
Wir starteten aber wie gesagt dieses Mal direkt in Zerfreila. Kurz nach dem Start kommt man bereits zur wirklich eindrücklichen Staumauer und überquert diese. Von der Staumauer aus hat man eine wunderbare Aussicht über den See zum prägnanten Zerfreilahorn. Nach der Staumauer geht es dann zuerst einmal ziemlich steil aufwärts... zum Glück aber nur relativ kurz - direkt nach einem Burger ist das ein ziemlicher fieser Start in den Wandertag. Dafür hat man schon relativ bald eine wirklich schöne Aussicht über die Staumauer und den ganzen See.
Kurz nach dem steilen Aufstieg hatten wir dann noch das Glück auf einen Alpabzug zu treffen. Ein Bild von einem Alpabzug auf einer Staumauer schiesst man schliesslich nicht alle Tage... wirklich eindrücklich wie klein die Kühe auf der grossen Staumauer aussehen. Die Wanderung von Zerfreila nach Gadastatt dauert ca. 1h30 und man muss - abgesehen vom beschriebenen steilen Stück - nur wenig Höhenmeter überwinden.
Kurz nach dem steilen Aufstieg gelangt man bereits nach Frunt mit der 1754 erbauten Kapelle St. Anna. Von hier hat man noch einmal einen tollen Ausblick zurück auf den Stausee bevor es dann über Moorlandschaft und Alpweiden Richtung Gadastatt zu geht.
In Gadastatt läuft man am Bergrestaurant natürlich nicht vorbei. Auf der schönen Terrasse kann man noch einmal etwas Sonne tanken und das selbst gebraute Gadastattbier probieren oder einen Hauskaffee geniessen, bevor es dann mit der Gratis (!) Gondelbahn hinunter nach Vals geht. Übernachtet haben wir im Hotel Valserhof, von wo aus man eine wunderschöne Aussicht über die Steindächer von Vals hat.
2. Tag: Vals - Tomülpass - Turrahus (Safiental)
Am nächsten Morgen starteten wir nach einem ausgiebigen Zmorge also endgültig in unser Wanderabenteuer und mit knapp 1200 Höhenmetern war es gleich ein zünftiger Start. Und das wurde uns auch bereits nach wenigen Minuten bewusst, denn es ging vom Hotel weg direkt steil durch den Wald bergauf. So brachten wir die ersten Höhenmeter rasch hinter uns und hatten bald einen schönen Ausblick zurück auf Vals. Noch hingen die Nebelschwaden tief, doch der Wetterbericht hatte baldige Besserung vorausgesagt und so sollte es dann auch kommen.
Nach knapp 2 Stunden hatten wir das steilste Stück des Tages dann bereits hinter uns gebracht und hier lockerte sich auch schon langsam der Nebel und die Sonne zeigte sich ein erstes Mal. Der Weg ging nun nicht mehr ganz so steil in Richtung Riedboda, einer wirklich schönen Hochebene mit einem Netz von mäandernden Wasserwegen und einer grossen Herde friedlich grasender Kühe. Eine Rast war hier natürlich Pflicht, weil es einfach viel zu schön war um hier einfach so vorbei zu laufen. Und so genossen wir die schöne Aussicht und schauten den Kühen zu.
Nach der Rast ging es zuerst der Hochebene entlang und dann wieder bergauf Richtung Alp Tomül. Wir mussten immer mal wieder kurz stehen bleiben um auf die schöne Hochebene zurückzuschauen - was für ein schöner Ausblick , gerade auch mit den schönen Herbstfarben die sich schon langsam unter das Grün mischen. Schon bald liessen wir den Riedboda dann aber hinter uns und sahen vor uns schon die Alp Tomül.
Von Vals bis zur Alp Tomül brauchten wir etwa 2 3/4 Stunden und bis hierhin ging es durchwegs über wunderschöne Wanderwege. Die letzte knappe Stunde bis auf den Tomülpass geht es dann allerdings noch einem kleinen Fahrsträsschen nach und auch wenn der Weg Richtung Pass nicht mehr wirklich steil ist, so zieht er sich am Schluss doch noch etwas dahin. Das lag vermutlich daran, dass es unser erste Wandertag war und ich die ersten gut 1000 Höhenmeter so langsam spürte. Vermutlich hätte ich vor der Tour doch noch etwas mehr für meine Fitness tun sollen... ein Gedanke, der mir in den nächsten Tagen noch das ein oder andere Mal durch den Kopf gehen würde... 🤔😁
Nach ca. 3 1/2 Stunden waren wir dann aber endlich auf dem 2'412 Meter hohen Tomülpass, dem ersten Pass unserer Tour. Grund genug für einen ersten Gipfelschnapps. Den gönnen wir uns üblicherweise nicht nur auf einem Gipfel, sondern immer auf dem höchsten Punkt einer Tour... oder wenn uns halt grad danach ist 🤪
Vom Pass hatten wir einen wunderschönen Ausblick über das Safiental hinweg auf die Grauhörner und hier sahen wir auch bereits, wo wir dann am nächsten Tag durchlaufen würden, nämlich rechts an den imposanten Grauhörnen vorbei. Jetzt ging es aber zuerst hinunter ins Safiental, wo wir im Berggasthaus Turrahus übernachteten. Das Gasthaus liegt direkt am Wanderweg und bietet einfache kleine Zimmer mit Etagendusche. Wer lieber etwas mehr Komfort möchte, läuft beim Turrahus noch ca. 10 Minuten weiter und übernachtet im Gasslihof.
3. Tag: Turrahus (Safiental) - Alperschällilücke - Sufers
Der nächste Morgen begrüsste uns mit strahlendem Himmel und dem ersten Bodenfrost. Das sah zwar schön aus, fühlte sich aber ziemlich kühl an um meine nackten Beine. Ein erstes Mal fragte ich mich, ob die Wahl einer kurzen Wanderhose eine Gescheite war... 🤔
Für heute würde es mir aber nicht lange kalt bleiben um die Beine und auch sonst nicht, denn die Wanderung über die Alperschällilücke stand an. Auch heute waren wieder über 1000 Höhenmeter zu überwinden, idealerweise verteilt auf nur ca. 3 Kilometer... ja, es war steil! 🥵 Und bald kam auch schon die Sonne über den Berg und wärmte uns zusätzlich - was war ich froh... 😉
m unteren Teil des Aufstieges verlief der Weg grösstenteils noch über Wiesen, mit der Zeit wurde es dann aber immer steiniger - und auch wenn man zwischendurch die Hände etwas zur Hilfe nehmen musste, war der Weg trotzdem jederzeit gut. Nach etwa 2 1/2 Stunden und schon über 700 Höhenmetern kamen wir dann an einen wunderschönen kleinen See, an dem wir eine Rast machten. Die Grauhörner, die wir am letzten Tag noch von weit weg gesehen hatten, waren nun plötzlich ganz nah. Wie eindrücklich!
Von dem kleinen See ging es dann nicht mehr ganz so steil, dafür grösstenteils über grosse Felsbrocken hinweg die letzten knapp 300 Höhenmeter hinauf zur Alperschällilücke auf 2'614 Metern, die wir nach weiteren ca. 45 Minuten erreichten. Leider war der grösste 'Chrampf' des Tages damit noch nicht geschafft, denn nun galt es noch den Abstieg nach Sufers mit über 1200 Höhenmetern abwärts zu meistern. Schöne Grüsse an die Knie... 😉
Zum Glück war der Weg hinunter nicht ganz so steil wie der hinauf. Trotzdem brauchten wir für den Abstieg fast gleich lang wie für den Aufstieg. Dem schönen Wetter zuliebe und auch um unseren Füssen etwas Erholung zu gönnen, machten wir auch immer wieder mal kurz Pause - pressant hatten wir es ja zum Glück nicht.
Die Wanderung über die Alperschällilücke war zwar streng und mit über 6 Stunden Marschzeit auch ziemlich lang, aber gerade aufgrund des sich ständig ändernden Landschaft und vorbei an den imposanten Grauhörnern wirklich eindrücklich. Alternative wäre die Route vom Safiental über den Safierberg nach Splügen gewesen, den ich vermutlich gewählt hätte, wenn das Wetter schlechter gewesen wäre. Da uns aber - wie meist - das Wetterglück hold war, war es genau die richtige Routenwahl.
Übernachtet haben wir im Hotel Seeblick in Sufers. Der Blick auf den Sufnersee ist zwar tatsächlich schön, leider geht aber auch die viel befahrene Autostrasse auf den San Bernadino direkt vor dem Hotel vorbei. Unter diesem Aspekt war die Wahl eines Zimmers mit Seeblick vielleicht nicht die klügste... 🤔😆 Ganz so schlimm war es dann aber doch nicht mit dem Verkehrslärm und Preis/Leistung war wirklich mehr als fair und auch das Essen war sehr gut.
4. Tag: Rofflaschlucht - Cröt (Avers)
Der nächste Tag startete mit einer kurzen Fahrt mit dem Postauto von Sufers bis zur Rofflaschlucht. Hier gab es noch einmal einen Kaffee, bevor wir uns auf den Weg Richtung Avers machten. Auch heute hatten wir wieder gut 1000 Höhenmeter auf dem Programm und mit 18 Kilometern war es zudem die längste Etappe der gesamten Tour. Nach den zwei strengen Etappen zu Beginn, waren die Beine zugegebenermassen etwas schwerer als auch schon und so waren wir froh, dass es nach einem kurzen Anstieg zu Beginn dann zuerst einmal etwas geradeaus ging, auch wenn wir dabei kurz der Autobahn entlang mussten.
Schon bald überquerten wir aber die Averser Brücke und von hier verlief der Wanderweg wunderschön durch den Wald dem Averser Rhein entlang - ein wirklich schönes Wegstück. Immer wieder führte der Weg ganz nahe an den Fluss mit seinem klaren Wasser, was uns zum ein oder anderen Fotostopp nötigte.
Beim Bodhi Camping überquerten wir den Fluss und kamen in den als Boulderparadies bekannten 'Magic Wood'. Ein wirklich schöner Wald in dem viele riesige Felsbrocken rumliegen, an denen die Kletterer eben 'Bouldern'. Offenbar gehört der Magic Wood zu den beliebtesten Destinationen fürs Bouldern weltweit und entsprechend viele Kletterer waren denn auch zugegen und wir nahmen uns etwas Zeit um zuzuschauen.
Nach ca. 1 1/2 Stunden waren wir bereits auf der Höhe von Ausserferrera, welches auf der anderen Flussseite wunderschön zu sehen war. Kurz später überquerte der Weg wiederum den Fluss und nun folgte das einzige weniger schöne Teilstück des Tages, denn es ging nun für ca. 20 Minuten der Strasse entlang. Kurz vor Plan Davains hatten wir dieses Wegstück dann aber bereits überstanden und der Weg wechselte abermals die Flussseite.
Von hier ging es nun in ständigem Auf und Ab meist durch wunderschöne Wälder an Innerferera vorbei und immer weiter auf der alten Averserstrasse talaufwärts. Zum Glück war der Weg wirklich schön und abwechslungsreich, denn so langsam sehnte ich unser heutiges Etappenziel herbei und ich glaube das ging nicht nur mir so...
Nach einer Wanderzeit von etwa 6 Stunden sind wir dann endlich am Etappenziel in Cröt angekommen, wo wir im Gasthaus Walserstuba übernachtet haben. Selten war ich so froh, endlich am Ziel zu sein... 🥵 Wir waren an diesem Abend die einzigen Gäste und wurden vom Wirtepaar Simon und Steffi aber mal so richtig verwöhnt. Ein wunderbares Abendessen, eine gute Flasche Wein, spannende Gespräche... und die Strapazen des Tages waren schnell vergessen - und zurück bleibt nur die Erinnerung an einen weiteren wunderschönen Wandertag.
5. Tag: Cröt (Avers) - Juf (14.09.2022)
Ich muss zugeben, so wahnsinnig gerne verliess ich die Walserstuba am anderen Morgen nicht und das lag nicht nur an Steffi, der bildhübschen kolumbianischen Dame des Hauses. Die letzten 3 Tage hatten ihre Spuren hinterlassen und das Aufstehen fiel uns nicht mehr ganz so leicht wie noch die Tage zuvor. Zum Glück hatte ich das aber vorausgesehen und hatte für die nächsten 2 Tage etwas kürzere Touren geplant. Um die 3 1/2 Stunden würden wir heute für die knapp 11 Kilometer bis nach nach Juf benötigen und dabei nur knapp 700 Höhenmeter zu bewältigen haben. Nach den letzten Touren also schon fast ein Spaziergang. Das war für den heutigen Tag gerade richtig, zumal auch das Wetter nicht mehr so gut war wie in den vergangenen Tagen. Der Wetterbericht hatte starke Regenfälle angesagt, zum Glück erst für die nächste Nacht. Aber die dunklen Wolken am Himmel liessen erahnen, dass es wohl auch tagsüber bereits den ein oder anderen Regenguss geben könnte.
Der Weg folgte von Cröt weg wieder der alten Averserstrasse, der wir am vergangenen Tag bereits länger gefolgt waren. Unterwegs hatten wir das Glück, eine Kreuzotter zu sehen. Also zumindest ich fand, dass das Glück war, denn eine Kreuzotter sieht man nun wirklich nicht alle Tage. Carmens Gesichtsausdruck hingegen liess erahnen, dass sie auf diese Begegnung wohl lieber verzichtet hätte 😱
So ging es knapp eine Stunde lang durch den Wald bergauf, bis wir auf der anderen Flussseite Cresta sehen konnte. Von hier ging es wieder abwärts bis nach Pürt, wo wir den Averser Rhein überquerten und uns im Hoflädeli mit Proviant in Form von Käse und Salsiz eindeckten. Die Baumgrenze hatten wir mittlerweile hinter uns gelassen und somit auch den schützenden Wald und der auffrischende Wind liess nun keine Zweifel mehr offen: heute würden wir es vermutlich nicht ohne Regen bis nach Juf schaffen. Und bald schon kam es wie es kommen musste und das Unvorstellbare trat ein: Wir mussten unserer Regenjacken anziehen! Es war jetzt kein Starkregen - eher ein Nieseln - und nach einer knappen halben Stunde hörte es auch schon wieder auf. Aber dennoch: wir hatten unsere Regenjacken an. Zumindest dieses eine Mal... es sollte für den Rest der Tour nicht wieder vorkommen... 😇
Bald schon konnten wir Juf sehen, unser heutiges Tagesziel. Juf ist mit 2126m die höchstgelegene ganzjährig bewohnte Siedlung in der Schweiz und auch eine der höchstgelegenen in ganz Europa. Übernachtet haben wir hier im Gasthaus Alpenrose und auch hier wurden wir so richtig verwöhnt. Das Abendessen in der gemütlichen Gaststube war ausgezeichnet und auch zum Frühstück verwöhnte uns der Chef höchstpersönlich mit allem was das Herz begehrt.
Zwei Tage waren wir jetzt im Avers unterwegs. Zwei Tage mit tollen Landschaften, auf wunderschönen Wanderwegen und spannenden Begegnungen in wirklich empfehlenswerten Gasthäusern, in denen man sich auf Anhieb wie zuhause fühlt... im Avers waren wir ganz bestimmt nicht zum letzten Mal!
6. Tag: Juf - Fuorcla da la Valletta - Bivio (15.09.2022)
Der nächste Morgen begrüsste uns weitaus freundlicher, als es der Wetterbericht hätte erahnen lassen und so konnten wir von unserem Zimmer aus diesen wunderbaren Ausblick über die Steindächer von Juf hinweg geniessen. Wie angekündigt hatte es in der Nacht ziemlich stark geregnet und ich hatte die Befürchtung, dass die Wolken am Morgen noch etwas tief hängen würden. Dem war zum Glück nicht so.
Unser Tagesziel heute war Bivio, die Perle am Julier. Wir hatten für einmal die Wahl zwischen zwei Routen, die bezüglich Distanz und Höhenmetern fast identisch waren. Die eine Route führte direkt von Juf aus aufwärts über den Stallerberg, die andere folgte noch für ca. 45 Minuten dem Jufer Rhein und dann über die Fuorcla da la Valletta. Für diese Route haben wir uns dann auch entschieden, da wir es zum Start einer Tour gerne noch etwas gemütlich haben und froh sind, wenn es nicht gleich steil bergauf geht.
Die ersten Kilometer dem Jufer Rhein entlang und tiefer in dieses wirklich wunderschöne Tal hinein waren wirklich traumhaft. Unsere Routenwahl war also sicher keine schlechte. Zudem hatten wir mit ca. 3 1/2 Stunden auch heute nochmals eine eher kurze Tour vor uns. Wir hatten also überhaupt keine Eile und so trödelten wir auf diesem ersten Stück etwas vor uns hin, genossen die schöne Landschaft und schauten auch immer mal wieder zurück auf das kleine Juf.
Irgendwann war es dann aber vorbei mit der Gemütlichkeit und es ging auf schönem Weg im Zickzack und nie übermässig steil die 500 Höhenmeter aufwärts zur Fuorcla da la Valletta. Ein kurzes Stück vor der Fuorcla zweigt rechts ein Weg ab, der zur Forcellina und von dort weiter zum Septimerpass führt. Diesen würden wir dann am nächsten Tag von Bivio her auf unserem Weg nach Maloja überqueren - der heutige Abstecher nach Bivio war also so gesehen eigentlich ein unnötiger Umweg. Aber wenn man zwei Wochen zu Fuss unterwegs ist, gibt es irgendwie keine Umwege...
Der Aufstieg auf die Fuorcla da la Valletta auf 2586m dauerte ca. 1 Stunde. Und auch wenn es nur 500 Höhenmeter waren, einen Gipfelschnapps hatten wir uns natürlich trotzdem verdient. Kurz nach der Fuorcla gab es einen kleinen See, an dem wir eine kurze Rast machten. Ein Stück weiter unten würden wir dann noch am viel grösseren Leg Columban vorbeikommen und unsere Mittagsrast wollten wir erst dort machen. Aber wie gesagt hatten wir es heute überhaupt nicht pressant und dieser Ort war viel zu schön, um einfach daran vorbei zu laufen. Und schliesslich hat man ja auch Ferien - also geniessen wir es 😊
Nach der kurzen Pause ging es weiter und schon bald konnten wir weiter unten den Leg Columban und dahinter Richtung Julierpass sehen. Was für ein Panorama... 😍 Am See angekommen machten wir dann unsere geplante Mittagsrast und genossen einmal mehr das schöne Wetter, die Aussicht und das spannende Wolkenspiel. Von der Fuorcla da la Valletta bis nach Bivio ging es rund 850 Höhenmeter abwärts, was - ohne unsere zahlreichen Pausen - knapp 2 Stunden dauerte.
In Bivio haben wir im Hotel Post übernachtet. Das Hotel ist eigentlich ganz schön und wir wurden sogar noch in eine bessere Zimmerkategorie upgegradet. Allerdings liegt das Hotel an der Strasse und zudem direkt am Dorfausgang, wo alle Autos nach der 30-Zone wieder Gas geben. Und so ein bisschen Verkehr gibt es am Julier dann halt doch, unser Schlafzimmerfenster blieb deshalb für einmal zu über die Nacht. Bei einem nächsten Mal würden wir uns deshalb wohl für das Hotel Solaria entscheiden, da es von der Strasse etwas zurückversetzt liegt und somit sicherlich ruhiger ist.
7. Tag: Bivio - Septimerpass - Pass Lunghin - Maloja (16.09.2022)
Nach den zwei Erholungstagen mit etwas kürzeren Touren stand heute wieder eine längere Etappe nach Maloja im Engadin auf dem Programm - und das war auch gut so, denn wir fühlten uns fit wie nie und bereit für die jede Herausforderung. Dass es nicht schaden kann, auf einer Weitwanderung auch mal etwas kürzere Tage oder sogar einen Ruhetag einzubauen, haben wir auf unseren letzten Touren gelernt. Es ist unglaublich wie fit man sich nach ein bisschen Erholung fühlt und wie leicht es auf einmal wieder Bergauf geht.
Von Bivio aus starteten wir Richtung Septimerpass. Die letzten herumziehenden Wolkenfetzen boten uns wunderschöne Lichtstimmungen und obwohl der Weg auf den ersten Kilometern einem kleinen Fahrsträsschen folgte, genossen wir die schöne Landschaft und die Herbstsonne. Was für eine wunderschöne Gegend... 😍
Nach etwa einer Stunde erreichten wir die wunderschöne Hochebene Plang Camfer. Der kleine Bach Eva dal Sett sucht sich schlängelnd den Weg durch das herbstgoldene Gras in dem die Kühe friedlich grasen. Ein Ort an dem man gerne noch etwas verweilen würde, aber wir hatten erst gerade eine erste kurze Pause hinter uns und wollten weiter auf den Septimerpass, den ersten von zwei Pässen am heutigen Tag. Der Wanderweg verläuft hier weiter dem Fahrsträsschen entlang, bevor er dann am Ende der Ebene aber endlich von diesem abzweigt und für die letzten knapp 200 Höhenmeter durch das herbstliche Gelände zum Septimerpass ansteigt.
Den Septimerpass erreichten wir nach gut 2 Stunden und genau zusammen mit einer der noch herumschwirrenden Wolken. Umso eindrücklicher dann der Blick auf die andere Seite des Passes, als sich die Wolke kurze Zeit später wieder verzog. Was für ein Ausblick man von hier hat ins Bergell und die dahinter liegende Bergwelt.
Den ersten Gipfelschnapps des Tages hatten wir uns mehr als verdient und ebenso eine weitere kurze Pause, bevor es dann noch einmal gut 300 Höhenmeter weiter aufwärts bis zum Pass Lunghin gehen würde. Vom Septimerpass könnte man auch hinunter ins Bergell und von dort wieder aufwärts nach Maloja wandern, was bezüglich Höhenmetern und Distanz keinen grossen Unterschied machen würde. Wir haben unserer Aufwärtsmeter aber lieber am Stück, weshalb wir uns für die Route über den Pass Lunghin entschieden.
Nach einer weiteren Stunde erreichten wir den Pass Lunghin auf 2645 m. Dieser ist ziemlich bekannt, weil es hier die einzige dreifache Wasserscheide Europas gibt, was wirklich eindrücklich ist. Fällt hier ein Tropfen Regen hat er die Wahl, ob er über den Inn und die Donau ins Schwarze Meer, über den Rhein in die Nordsee oder via Po ins Mittelmeer fliessen möchte. Die Qual der Wahl also für den armen (Regen)-Tropf.
Unser Ziel heute war aber weder das Mittelmeer, noch die Nordsee oder das Schwarze Meer, sondern Maloja am Silsersee. Zuerst machten wir allerdings noch eine Mittagsrast am Lunghinsee, der als Quelle des Inn gilt. Hier machten wir ein erstes Mal Bekanntschaft mit dem angekündigten Kälteeinbruch, denn der Wind pfiff uns hier ziemlich fies um die Ohren und so suchten wir uns einen geschützen Platz hinter einem grossen Fels für unsere Rast. Bereits am nächsten Tag würde hier Schnee liegen, wir hatten also Glück, dass wir nicht einen Tag später unterwegs waren.
Vom Pass Lunghin geht es noch knapp 900 Höhenmeter abwärts bis nach Maloja. Dank den atemberaubenden Aussichten ins Bergell und über den Silsersee ins Engadin ist der Abstieg aber auf jeden Fall mehr Genuss denn Qual und so machten wir auf dem Weg nach Maloja auch noch den ein oder anderen kurzen Halt um die schöne Gegend zu geniessen. Eilig hatten wir es ohnehin nicht, nur ins Sportgeschäft wollten wir wegen dem angekündigten Wintereinbruch in Maloja noch - Carmen brauchte eine Mütze und ich... ähm... lange Hosen ☺️❄️😱😂
8. Tag: Maloja - Val Fex (17.09.2022)
Unsere Shopping Tour vom Vorabend sollte sich bereits am nächsten Morgen bezahlt machen. Der Wetterbericht hatte den Kälteeinbruch schon seit einigen Tagen vorausgesagt und tatsächlich war es an diesem Morgen in Maloja empfindlich kalt. So zogen wir alles an was wir an warmen Kleidern bei uns hatten, bevor wir unser Hotel verliessen - inklusive Carmens neue Mütze und meinen neuen langen Wanderhosen.
Unser Ziel heute war das Hotel Fex im Val Fex. Eigentlich hatten wir eine etwas längere Tour über den Muott'Ota geplant aber wegen dem bissigen und ziemlich starken Wind haben wir uns dafür entschieden, den windexponierten Gipfel auszulassen und stattdessen etwas vor dem kalten Wind geschützt um den Berg herumzuwandern. Dadurch wurde die Tour dann um einiges kürzer und wir würden so nur gut 3 Stunden bis ins Val Fex benötigen. Wir hatten also wieder einmal genug Zeit, die schöne Gegend zu geniessen.
Der Wetterbericht hatte nicht nur Kälte sondern auch Schnee vorausgesagt - dies allerdings hauptsächlich auf der Nordseite und so blieben wir bis auf ein paar wenige verirrte Schneeflocken von Niederschlag verschont. Dass der für die Nordseite angekündigte Schnee aber wohl tatsächlich fiel zeigte uns ein Blick zurück über den Silsersee zum Pass Lunghin, den wir gestern überquert hatten. Dieser zeigte sich heute bereits im weissen Winterkleid, d.h. nur einen Tag später wären wir dort in den ersten Schnee geraten - wieder einmal alles richtig gemacht! 🥳
Einmal unterwegs merkten wir bald, dass es gerade an windgeschützten Orten um einiges weniger kalt war als befürchtet und so verschwanden unsere warmen Jacken sowie Carmens neue Kappe schon beim ersten Anstieg wieder im Rucksack . Wir wanderten zuerst durch ein schönes Tal und meist durch Wald aufwärts Richtung Plan di Cavai, von dort dann wieder abwärts Richtung Isola. Bis ganz hinunter an den See mussten wir allerdings nicht bevor es wieder aufwärts ins Val Fedoz ging.
Das Val Fedoz ist das Nachbarstal des bekannten Val Fex. Wilder, ruhiger und touristisch kaum erschlossen lohnt sich ein Abstecher ins Tal aber gerade deswegen auf jeden Fall. Landschaftlich atemberaubend schön, gerade an einem Tag wie heute mit den den spannenden Lichtstimmungen und den frisch angezuckerten Bergen im Talabschluss.
Nachdem wir das Val Fedoz durchquert hatten, sind wir um den Muott'Ota herum und über den kleinen Muotta da Güvè ins Val Fex weitergewandert. Die Sonne zeigte sich mittlerweile immer mehr und so kam es, dass wir an einem Tag, an dem wir mit Kappen und Handschuhen gestartet waren, nun fast jede Sitzbank am Wegrand nutzten, um auszuruhen und die wärmenden Sonnenstrahlen und die schöne Gegend zu geniessen.
Allem Trödeln zum Trotz konnten wir dann aber doch irgendwann das Hotel Fex in der Ferne sehen. Dort wurden wir freundlich empfangen und bekamen eines der schön renovierten Zimmer mit Dusche und WC. Das Hotel ist nicht nur wunderschön weit hinten im Val Fex gelegen, auch das 4-Gang Abendessen war wirklich ausgezeichnet. Wie alles im Engadin hat das Hotel seinen Preis - ist aber jeden Franken wert.
9. Tag: Val Fex - Fuorcla Surlej - Val Roseg (18.09.2022)
Am heutigen Tag stand so etwas wie die Königsetappe auf dem Programm. Zumindest würden wir heute mit der Fuorcla Surlej auf 2754m den höchsten Punkt der ganzen Tour überqueren. Mit über 1'100 Höhenmetern aufwärts und fast ebenso vielen Abwärtsmetern und einer Distanz von knapp 16 km war diese 6-stündige Etappe auch einer der längsten und strengsten der ganzen Tour - aber zweifelsohne auch eine der schönsten!
Der Himmel zeigte sich noch bewölkt als wir das Hotel Fex verliessen und es war auch immer noch recht kühl - allerdings versprach der Wetterbericht ab heute wieder schönes Herbstwetter und auch der gestern noch stürmische Wind sollte im Laufe des Tages nachlassen. So starteten wir also wieder gut verpackt in unseren warmen Jacken und Mützen, derer wir uns aber schon bald wieder entledigen würden, denn schon nach wenigen Metern zweigte unser Weg von der Strassse die nach Sils führt rechts ab und es ging aufwärts in Richtung Mittelstation Furtschellas.
Der Weg führte uns stetig aber nie besonders steil dem Hang entlang aufwärts. Je höher wir kamen, umso schöner wurde auch die Aussicht - sei es zurück ins fantastische Val Fex oder etwas später dann hinunter zu Silser- und Silvaplanersee. Nach ca. 1 1/2 Stunden erreichten wir die Mittelstation Furtschellas, an der wir etwas oberhalb vorbei wanderten. Ab hier startet ein beliebter Rundweg, entlang von 6 kleinen, kristallklaren Bergseen. Unser Weg führte an 3 dieser Bergseen vorbei (Leijn Epidot, Lejin S-chaglia und Lejin Rhodonit) - jeder für sich ein kleines Juwel und an jedem davon hätte man am liebsten eine ausgiebige Rast eingelegt. Eine längere Pause verkniffen wir uns allerdings, denn wir hatten ja noch ein ziemliches Stück Weg vor uns.
Nachdem wir die 3 Seen hinter uns gelassen hatten, passierten wir schon bald die Seilbahn auf den Corvatsch. Von hier hatten wir die Wahl, entweder dem Weg aufwärts weiter zu folgen und vorbei am Lej da la Fuorcla direkt auf die Fuorcla Surlej zu wandern oder aber rechts abzuzweigen und den etwas steileren Weg aufwärts über die Corvatsch Mittelstation Murtèl zu nehmen. Der Weg hinauf nach Murtèl schien uns etwas schöner und die Aussicht auf ein kühles Getränk bestärkte uns wohl unterbewusst zusätzlich in unserer Entscheidung.
Nach ca. 4 Stunden Marschzeit erreichten wir schliesslich Murtèl, die Mittelstation der Corvatschbahn. Hier erholten wir uns bei einer kurzen Pause vom Aufstieg. Das Berghaus Fuorcla Surlej konnten wir von hier aus schon sehen und es dürfte wohl kaum mehr als 30-40 Minuten dauern bis wir dieses erreichen würden, den grössten Teil des Aufstieges hatten wir also hinter uns. Frisch gestärkt nahmen wir dann die letzten Meter bis zur Fuorcla in Angriff und als wir diese erreichten wurden mit einer atemberaubenden Aussicht auf die Gletscherwelt belohnt.
Bei all den vielen schönen Momenten der vergangenen Tage war dies unzweifelhaft einer der Höhepunkte der gesamten Tour. Die Aussicht auf die von Gletschern überzogenen Berge ist einfach immer wieder atemberaubend, dazu der kleine fotogene Bergsee und natürlich das Berghaus, in welchem wir mit einer wunderbaren Suppe - natürlich mit Würstli - verwöhnt wurden. Unsere Pause fiel hier dementsprechend etwas länger aus und wir genossen die wärmende Herbstsonne und die fantastische Aussicht in vollen Zügen bevor wir uns an den Abstieg ins Val Roseg machten.
Der Abstieg von der Fuorcla Surlej bis ins Val Roseg beträgt noch um die 750 Höhenmeter und dauert knapp 1 1/2 Stunden. Wir benötigten natürlich mal wieder etwas länger, denn die traumhafte Aussicht und das schöne Wetter bewogen uns immer mal wieder zu einem kurzen 'Genuss-Halt'. Genau so muss wandern sein 😁
Übernachtet haben wir im Hotel Restaurant Roseg Gletscher. Andere Möglichkeiten gibt es hier auch nicht, möchte man nicht noch aus dem Val Roseg bis nach Pontresina weiter wandern. Das würde ich allerdings niemandem empfehlen, denn das Roseg Gletscher ist ein wirklich toller Ort um die Nacht zu verbringen. Die Aussicht auf die Gletscher vom Hotel aus ist wunderschön und der Sternenhimmel in der Nacht einfach nur gewaltig. Dazu kommt die Ruhe an diesem abgelegenen Ort. Das einzige was wir in der Nacht gehört haben, war hin und wieder das Röhren der Hirsche.
10. Tag: Val Roseg - Lej da Staz - St. Moritz (19.09.2022)
Der heutige Tag war insofern speziell, als dass es mein Geburtstag war. Es ist mittlerweile eine lieb gewordene Tradition, dass wir an meinem Geburtstag irgendwo in den Bergen unterwegs sind und damit wir genug Zeit hatten, diesen gebührend zu feiern, hatte ich für heute ganz bewusst eine kürzere Tour geplant. Diese würde uns zuerst aus dem Tal Roseg heraus nach Pontresina und von dort am Lej da Staz vorbei nach St. Moritz führen, von wo aus es dann für einmal mit dem Bus weiter ging zu unserem Hotel in Sils Baselgia.
Die Wanderung aus dem Val Roseg bis nach Pontresina dauert etwa 1 1/2 Stunden und führt durch wunderschöne Lärchenwälder. Alternativ kann man natürlich auch die Pferdekutsche nehmen, für die das Val Roseg so bekannt ist. Das war für uns allerdings keine Option, da die heutige Tour ja ohnehin schon eher kurz war. Ausserdem ist der Wanderweg durch das Val Roseg wirklich schön und für einmal war es auch eine nette Abwechslung, dass es nicht bergauf ging.
Unterwegs gab es dann noch eine nette Geburtstagsüberraschung, denn mein 90-jähriger Vater überraschte uns mit einem spontanen Besuch und so trafen wir uns am Lej da Staz zum Mittagessen und wanderten von dort dann zusammen bis nach St. Moritz. Dort trennten sich unsere Wege wieder - mein Vater fuhr mit dem Zug zurück nach Hause, wir mit dem Bus zu unserem Hotel in Sils Baselgia.
In Sils Baselgia haben wir uns für 2 Nächte im Hotel Chesa Grischa einquartiert, denn wir würden hier am nächsten Tag unseren wohlverdienten Ruhetag verbringen. Noch so eine Lektion, die wir auf früheren Wanderungen gelernt haben: Für den Tag nach meinem Geburtstag plant man besser keine Wanderung 🤪
Mein Geburtstagsessen gab es nach einem Apéro in der Vinothek Vis-à-vis dann im Hotel Privata - das 4-Gang Menü war wirklich ausgezeichnet und es war ein wirklich schöner Abend, den wir stilecht bei einem Whiskey in der Bar Cetto in Sils Maria ausklingen liessen...
11. Tag: Ruhetag in Sils im Engadin (20.09.2022)
Unseren Ruhetag begannen wir mit einem kurzenAusflug ins Bergell nach Vicosoprano. Wer das Bergell besucht, geht normalerweise ins bekannte Soglio. Wir wollten heute aber nicht so weit fahren, zumal das Postauto mehr als überfüllt war. So fuhren wir nach einem kurzen Spaziergang durch Vicosoprano gleich wieder zurück nach Maloja, wo wir das kleine Kursschiff von Kapitän Franco Giani erwischten, welches uns über den Silsersee nach Isola brachte. Nach einem kurzen Kaffeehalt im Ristorante Lagrev spazierten wir dem Silsersee entlang von Isola zurück nach Sils, wo wir uns bei feinen Capuns stärkten.
Alles in allem also es ein Ruhetag genau wie er sein sollte... sonnig, gemütlich und erholsam 😊
12. Tag: Sils Baselgia - La Veduta Julierpass (21.09.2022)
Den Ruhetag in Sils hatten wir so richtig genossen. Trotzdem waren wir froh, dass es heute wieder bergauf gehen würde - nach 10 Wandertagen waren wir mittlerweile nämlich so richtig im 'flow' und nach nun 2 Tagen ohne anstrengende Touren waren wir schon fast ein bisschen 'zappelig'. Unsere heutige Tour würde uns über die Fuorcla Grevasalvas auf 2688m nach La Veduta auf dem Julierpass führen. Mit ca. 11 km eher eine kürzere Tour zwar, mit gut 1000 Höhenmetern, den meisten davon auf den ersten 5-6 Kilometern, allerdings mit einem happigen Anstieg.
Zum Glück ging es aber eher gemächlich los - so wie wir es gern haben um ein bisschen in den Rhythmus zu kommen, bevor es dann so richtig bergauf geht. Der Weg startete direkt bei unserem Hotel in Sils Baselgia und folgte auf den ersten 3 Kilometern dem beliebten und wirklich schönen Rundweg um den Silsersee. Kurz vor der kleinen Maiensässsieldung Grevasalvas - bekannt aus der Fernsehserie 'Heidi' die 1978 hier gedreht wurde, zweigte unser Weg ab und von hier aus sollte es dann so richtig bergauf zur Fuorcla gehen.
Für den Aufstieg zur Fuorcla nahmen wir uns Zeit und schauten immer mal wieder zurück über den Silsersee und genossen die wunderschöne Aussicht, denn nach 5 Tagen würden wir das Engadin heute wieder verlassen. Landschaftlich ist das Engadin gerade für mich als Landschaftsfotograf natürlich immer ein besonderes Highlight, aber auch zum Wandern ist es einfach schön. Ein kleines bisschen wehmütig war ich deshalb, als wir uns der Fuorcla näherten und dieses Kapitel unserer Wanderung somit zu Ende ging.
Der Aufstieg auf die Fuorcla Grevasalvas dauerte gut 3 Stunden. Begegnet auf dem Weg zur Fuorcla sind wir nur einigen Jägern, denn die zweite Hälfte der Hochjagd hatte vor wenigen Tagen begonnen. Wo Jäger sind gibt es auch Wild würde man meinen, gesehen haben wir davon aber leider nichts. Die Jäger offenbar jedoch auch nicht, denn Schüsse waren an diesem Morgen in unserer Nähe keine zu hören. Gut für das Wild 😊
Wie wir es uns schon gewohnt waren, veränderte sich das Terrain irgendwann recht plötzlich und aus dem schönen Bergweg wurde fast von einem Schritt zum nächsten eine Steinwüste, über die wir uns den Weg bis zur Fuorcla suchen mussten. Wie eigentlich fast überall in unserem schönen Wanderland, war jedoch auch hier der Weg perfekt markiert und so schafften wir die letzten nun ziemlich steilen Höhenmeter auf die Fuorcla mühelos.
Auf der Fuorcla Grevasalvas angekommen, konnten wir noch einmal einen letzten Blick zurück ins Engadin werfen und endlich wieder einmal hatten wir uns auch einen Gipfelschnapps verdient. Nicht, dass wir während der letzten Tage über meinen Geburtstag nichts getrunken hätten... aber es ist halt schon etwas anderes, wenn man irgendwo verschwitzt hoch oben steht und das Gefühl hat, man habe sich den Schnapps auch verdient 😊
Von der Fuorcla ging es nun wieder bergab - zum Glück nicht so steil wie aufwärts - und nach ca. 45 Minuten erreichten wir den Leg Grevasalvas auf 2390 M.ü.M, wo wir uns eine ausgiebige Mittagspause verdient hatten. Das Wetter meinte es einmal mehr gut mit uns und so gab es nach dem Zmittag aus dem Rucksack sogar noch ein kleines Mittagsschläfchen an der Sonne. Und die ganzen Mutigen gönnten ihren Füssen sogar noch ein erfrischendes Bad in diesem wunderschönen Bergsee... 🦶💦
Mit der Rast konnten wir uns auch deshalb genug Zeit lassen, weil es bis zu unserem Ziel auf dem Julierpass nicht mehr weit war - allerhöchstens noch 40 Wanderminuten. Vom See aus ging es zuerst aber noch einmal ca. 70 Höhenmeter aufwärts - gerade genug, um noch einmal eine schöne Aussicht zurück auf den Leg Grevasalvas zu haben. Was für ein wunderschönes Bergpanorama... 😍
Nach diesem letzten Blick zurück auf den See konnten wir vor uns danach schon bald die Julierpassstrasse mit dem dominanten, roten und rund 30 Meter hohen Theaterturm sehen. Dieser wurde 2017 gebaut und soll im Jahre 2023 dann wieder abgebaut werden. Der Turm sieht mit seiner roten Farbe in dieser Bergwelt natürlich ein bisschen fehl am Platz aus - ein Hingucker ist er aber allemal.
Folgt man mit dem Blick der Julierstrasse entlang talwärts, kann man fast bis nach Bivio sehen und auch die Fuorcla da la Valletta, die wir vor einigen Tagen von Juf her kommend überquert hatten, kann man in der Ferne erahnen. Unser Ziel heute war aber das Ospizio la Veduta, welches sich etwas unterhalb der Passhöhe befindet. Vor dem Zimmerbezug haben wir bei einem kühlen Ankunftsdrink noch die wirklich allerletzten Sonnenstrahlen des Tages vor dem Ospizio genossen. Ein weiterer wunderschöner Wandertag geht langsam zu Ende und wir lassen ihn mit einem feinen Nachtessen im Ospizio gemütlich ausklingen.
13. Tag: La Veduta (Julierpass) - Fuorcla digl Leget - Alp Flix
Übers Wetter mussten wir uns auf unseren letzten Wandertagen so überhaupt keine Gedanken mehr machen... immer noch ziemlich kühl zwar am Schatten, aber ansonsten ein Tag schöner als der andere. Und so starteten wir auch unseren letzten richtigen Wandertag auf die Alp Flix bei wolkenlosem Himmel.
Der Wanderweg führte direkt vom Ospizio aus aufwärts in das wunderschöne Val d'Agnel. Folgt man diesem Tal bis zum Talabschluss, kommt man über die Fuorcla d'Agnel zur Jenatsch Hütte. Unser Weg war heute aber ein anderer. Etwa in der Mitte des Tales würde unser Weg links abzweigen und uns über die Fourcla digl Leget auf die Alp Flix führen. Mit gerade mal knapp 11 Kilometern und 700 Höhenmetern aufwärts eine eher gemächliche Tour. Allerdings mit fast 1000 Höhenmetern abwärts , die gerade in bergigem Gelände und mit dem Schnee, der in der Höhe immer noch lag, ja auch nicht ohne sind.
Vom Schnee in der Höhe war zu Beginn der heutigen Tour aber noch überhaupt nichts zu sehen. Ein wunderschönes Bergtal, durchzogen von einem Bergbach, welcher die Wiesen um ihn herum auch jetzt im September immer noch saftig erscheinen liessen. Wir genossen diese schöne Gegend und machten noch eine Rast, bevor der Weg Richtung Fuorcla steiniger werden würde. Wie so oft - wir waren uns das nun schon gewöhnt - änderte sich der Untergrund ab einer Höhe von ca. 2500 Metern schlagartig und der Weg wurde immer steiniger, was einem jeweils das Gefühl gibt, so richtig mitten in den Bergen zu sein. Und nun war auf einmal auch der Schnee, der vor einigen Tagen gefallen und hier oben liegen geblieben war, wieder nah. Ein wirkliches Problem stellten diese Schneefelder aber nicht dar, zumindest nicht beim Aufstieg.
Die Fuorcla digl Leget auf 2711 Metern erreichten wir bereits nach nicht einmal 2 Stunden Marschzeit und somit mehr oder weniger mühelos, da unsere Tour heute ja auch bereits auf über 2200 Metern startete.
Es würde dies der letzte Pass unserer gesamten Tour sein, was uns schon ein bisschen wehmütig werden liess. Über insgesamt 8 Pässe waren wir auf unserer Tour gewandert und nun würde diese schon bald zu Ende gehen. Für einmal haben wir deshalb mit dem Gipfelschnapps nicht alleine auf die Passhöhe angestossen, sondern auf die ganze Tour.
Noch war die Tour aber nicht vorbei, denn die Schwierigkeit am heutigen Tag war für einmal ganz klar nicht der Aufstieg, sondern der Abstieg. Gerade zu Beginn ging es nämlich ziemlich steil bergab und zudem war der Weg stellenweise hier immer mal wieder etwas eisig. Aber auch diese letzte Prüfung meisterten wir problemlos und hatten auf dem Abstieg von der Fuorcla zudem sogar noch das Glück, eine kleine Gruppe Gemsen zu sehen - wer ganz genau hinschaut, kann sie im Bild erkennen, braucht aber zugegebenermassen ziemlich gute Augen 🔎🤓
Schon bald wurde es um uns herum wieder grüner und im Gegensatz zu den Gemsen vorher, konnten wir dieses Murmeltier nicht nur hören sondern auch ohne Fernglas gut sehen. Das steilste Stück des Abstieges hatten wir nach knapp einer Stunde geschafft und es ging danach für eine längere Zeit fast geradeaus dem Hang entlang in Richtung Kanonensattel. Das grösste Problem auf diesem Wegstück war der starke Wind, der uns nun plötzlich entgegen wehte und der tatsächlich ziemlich eisig war, so dass wir unsere Jacken trotz strahlendem Wetter wieder aus dem Rucksack kramen mussten.
An einem winzig kleinen See machten wir etwas windgeschützt hinter einem grossen Stein unsere Mittagsrast. Bis zur Alp Flix würde es höchstens noch eine Stunde dauern und zeitlich waren wir einmal mehr sehr gut dran, weshalb wir es auch heute gemächlich nehmen konnten. So genossen wir noch ein paar wärmende Sonnenstrahlen, bevor wir uns wieder 'in den Wind' wagten und die letzten Meter auf die Alp Flix in Angriff nahmen.
Auf der Alp Flix übernachteten wir im Berghaus Piz Platta und hier wurden wir zum Abschluss unserer Tour noch einmal so richtig verwöhnt. Das Abendessen war für ein Berghaus auf überraschend hohem Niveau und schmeckte Gang für Gang ausgezeichnet. Auch unser Zimmer war sehr gemütlich und die Aussicht auf den Sternenhimmel in der Nacht unvergesslich. Hier stimmt wirklich alles und wir können die Alp Flix und das Berhaus Piz Platta wirklich nur wärmstens empfehlen. Es war für uns auf jeden Fall der perfekte Abschluss einer perfekten Tour. ❤️
14. Tag: Alp Flix - Sur
Diese letzte Etappe ist schnell erzählt, denn von der Alp Flix ging es nur noch auf direktem Weg hinunter nach Sur, von wo aus wir den Heimweg antreten würden. Zuerst gab es aber noch ein ausgiebiges Frühstück mit allem was das Herz begehrt, bevor wir ein letztes Mal unsere Wanderstiefel schnürten und uns auf den knapp stündigen Abstieg nach Sur machten.
Und so endet mit diesem letzten Blick zurück auf die Alp Flix die Erzählung über unsere Herbsttour 2022 durch das schöne Bündnerland. Knapp 150 Kilometer und 9000 Höhenmeter sind es schlussendlich geworden und so manch ein Fluch ist dabei gefallen. Bleiben werden uns aber vor allem unzählige schöne Erinnerungen und noch viel mehr Ideen für nächste Touren.
Vielen Dank an alle Leser, die bis zum Schluss durchgehalten haben - das war fast noch die grössere Leistung als es die Wanderung selbst war 😄
Bis bald auf einer nächsten Tour
Carmen und Thomas


































































































































































